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Wie die PTB in Braunschweig Kalibrierung nach ISO 17025 sichert

Kalibrierung ISO 17025 PTB: Wie Labore arbeiten, wie die PTB in Braunschweig nationale Normale bereitstellt und was die DAkkS-Akkreditierung fordert.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Kalibrierung ISO 17025 PTB heißt: Labore müssen ihre Messergebnisse lückenlos auf nationale Normale zurückführen.
  • Die PTB in Braunschweig ist die nationale Metrologieeinrichtung Deutschlands und hält die Normale für alle Größen.
  • Ohne DAkkS-Akkreditierung ist ein Kalibrierschein im geregelten Bereich meist wertlos.
  • Die Rückführbarkeitskette verläuft von der PTB über akkreditierte Labore bis zum Messmittel im Betrieb.
  • Nicht jede Messung braucht die PTB: Wer nur intern prüft, kann oft mit einer Werkskalibrierung arbeiten.

Kalibrierung nach ISO 17025: Was Labore leisten müssen

Kalibrierung heißt: Ein Messgerät wird unter definierten Bedingungen mit einem rückgeführten Normal verglichen, das Ergebnis wird dokumentiert. Die Norm DIN EN ISO 17025 regelt, wie ein Labor das tun muss, damit seine Ergebnisse belastbar sind.

Sie ist die zentrale Referenz für Prüf- und Kalibrierlaboratorien. Wer wissen will, was eine Norm überhaupt leistet und wie sie entsteht, findet die Grundlagen in den Erläuterungen zu DIN-Normen im Überblick.

Der Kern der Anforderung ist die Rückführbarkeit. Jedes Ergebnis muss über eine ununterbrochene Kette von Kalibrierungen an ein nationales oder internationales Normal angeschlossen sein. Diese Kette endet in Deutschland bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.

Was ein Labor nicht leisten muss: bessere Messungen als die PTB. Was es leisten muss: nachweisen, woher seine Bezugswerte stammen und wie unsicher das Ergebnis ist.

Die Rolle der PTB in Braunschweig für die Rückführbarkeit

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt hat ihren Hauptsitz in Braunschweig. Sie ist die nationale Metrologieeinrichtung der Bundesrepublik und damit der oberste Bezugspunkt für Messungen in Deutschland. Einen Überblick über Aufgaben und Geschichte gibt die PTB bei Wikipedia.

Die PTB entwickelt und hält die nationalen Normale. Das sind die genauesten Realisierungen einer physikalischen Einheit, die in Deutschland verfügbar sind, etwa für Länge, Masse, Zeit, Temperatur oder elektrische Größen.

Sie stellt diese Normale nicht nur auf, sondern gibt sie weiter. Über Kalibrierungen und Vergleichsmessungen gelangen die Bezugswerte in die Industrie, in Prüflabore und in die Forschung.

Für Braunschweig bedeutet das eine Sonderstellung. Die Stadt ist kein beliebiger Laborstandort, sondern der Ort, an dem die messtechnische Infrastruktur des Landes zusammenläuft. Ähnliche Aufgaben für Werkstoffe und Materialprüfung nimmt die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin wahr, doch die metrologische Basis liegt in Braunschweig.

Anforderungen an Kalibrierlaboratorien nach ISO 17025

Die Norm verlangt kein bestimmtes Messverfahren, sondern ein funktionierendes Managementsystem. Wie solche Systeme aufgebaut sind und welche Bausteine Arbeitsschutz, Qualität und Akkreditierung teilen, beschreibt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter Managementsysteme im Arbeitsschutz.

Die wichtigsten Anforderungen im Überblick:

  • Unparteilichkeit und Vertraulichkeit sind strukturell abgesichert, nicht nur zugesagt
  • Personal ist für die jeweilige Messgröße qualifiziert und nachweisbar eingewiesen
  • Räume, Klima und Versorgung schließen Störeinflüsse auf das Ergebnis aus
  • Messmittel sind gekennzeichnet, überwacht und mit gültigem Kalibrierschein versehen
  • Verfahren sind dokumentiert, validiert und in der geltenden Fassung vorhanden
  • Ergebnisse werden mit Messunsicherheit angegeben und nachvollziehbar berechnet
  • Reklamationen, Abweichungen und Korrekturmaßnahmen laufen geregelt ab

Ein Kalibrierschein ist das Produkt dieser Arbeit. Er nennt Messgröße, Bezugsnormal, Bedingungen, Ergebnis und Unsicherheit. Fehlt die Angabe der Unsicherheit, ist der Schein für viele Zwecke unbrauchbar.

Wo Prüfberichte in den geregelten Verkehr von Produkten hineinreichen, greift zusätzlich das Produktsicherheitsrecht. Die rechtlichen Pflichten und Begriffe finden sich im Produktsicherheitsgesetz im Überblick.

Rückführbarkeit auf nationale Normale: So funktioniert die Kette

Rückführbarkeit ist kein Papier, sondern eine Kette von Messungen. Jede Stufe gibt ihre Genauigkeit an die nächste weiter und verliert dabei ein Stück davon.

So läuft die Kette in der Praxis:

  1. Die PTB realisiert das nationale Normal für eine Messgröße, etwa die Temperatur über den Fixpunkt des Wassers.
  2. Ein akkreditiertes Kalibrierlabor kalibriert sein Bezugsnormal gegen dieses nationale Normal.
  3. Das Labor kalibriert damit die Normale seiner Kunden, etwa Temperaturfühler oder Waagen.
  4. Der Betrieb kalibriert mit seinem Bezugsnormal die Messmittel am Arbeitsplatz.
  5. Jede Stufe dokumentiert Ergebnis, Bedingungen und Messunsicherheit im Kalibrierschein.

Wichtig ist die Unsicherheitsangabe auf jeder Stufe. Wer nur einen Stempel ohne Werte weitergibt, unterbricht die Kette faktisch, auch wenn ein Zertifikat existiert.

Zwischenstufen sind zulässig. Ein Labor muss nicht direkt bei der PTB kalibrieren lassen, wenn ein anderes akkreditiertes Labor die Rückführung nachweisbar weiterreicht. Entscheidend ist, dass jede Station belegt, woher ihr Bezugswert kommt.

Akkreditierung von Kalibrierlaboratorien durch die DAkkS

Die Deutsche Akkreditierungsstelle mit Sitz in Berlin ist die nationale Akkreditierungsstelle Deutschlands. Sie prüft, ob ein Kalibrierlabor die Anforderungen der ISO 17025 tatsächlich erfüllt, und stellt die Akkreditierung aus.

Akkreditierung ist etwas anderes als Zertifizierung. Zertifiziert wird ein Managementsystem, akkreditiert wird die fachliche Kompetenz für bestimmte Messgrößen und Messbereiche. Der Unterschied entscheidet darüber, ob ein Kalibrierschein international anerkannt wird.

Der Akkreditierungsumfang ist eng begrenzt. Ein Labor ist nie pauschal akkreditiert, sondern für aufgeführte Größen, Bereiche und Verfahren. Wer außerhalb dieses Umfangs kalibriert, darf das Ergebnis nicht als akkreditiert bezeichnen.

Die DAkkS arbeitet nach internationalen Regeln und ist in gegenseitige Anerkennungsvereinbarungen eingebunden. Dadurch werden Kalibrierscheine akkreditierter Labore über Ländergrenzen hinweg anerkannt, was für exportierende Unternehmen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen praktische Bedeutung hat.

Praxis: Wann eine PTB-Rückführung erforderlich ist

Ein Beispiel aus der Fertigung: Ein Automobilzulieferer in Niedersachsen prüft Drehmomentschlüssel für die Montage. Die Prüfung selbst ist intern, das Ergebnis muss aber gegenüber dem Kunden belastbar sein.

Der Weg: Der Betrieb lässt seine Bezugsnormale bei einem DAkkS-akkreditierten Kalibrierlabor kalibrieren. Dieses Labor wiederum führt seine Normale regelmäßig auf die PTB oder auf ein anderes akkreditiertes Normal zurück. Damit steht die Kette bis nach Braunschweig.

Nicht immer ist der direkte Weg zur PTB nötig. Wer Messmittel nur intern überwacht und keine Anforderungen aus Verträgen oder Regelwerk erfüllen muss, kommt oft mit einer Werkskalibrierung ohne Akkreditierung aus.

Eine PTB-Rückführung oder eine gleichwertige akkreditierte Rückführung braucht dagegen, wer:

  • Kalibrierscheine für geregelte Produkte oder Zulassungen vorlegen muss,
  • in der Forschung Messergebnisse publiziert, die vergleichbar sein müssen,
  • als Lieferant vertraglich zur Rückführung verpflichtet ist,
  • selbst akkreditiert ist und Bezugsnormale nachweisen muss,
  • Messgeräte im eichpflichtigen Verkehr einsetzt.

Für Messgeräte im geschäftlichen oder amtlichen Verkehr gelten zusätzlich die Regeln des Eichrechts, die von der Bundesnetzagentur überwacht werden. Kalibrierung und Eichung sind dabei zwei verschiedene Dinge, auch wenn beide die Zuverlässigkeit von Messungen sichern sollen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kalibrierung und Eichung? Kalibrierung stellt den Zusammenhang zwischen Anzeige und wahrem Wert fest und dokumentiert die Unsicherheit. Eichung ist eine hoheitliche Prüfung und Stempelung von Messgeräten, die im geschäftlichen oder amtlichen Verkehr verwendet werden.

Muss ich immer bei der PTB kalibrieren lassen? Nein. In den meisten Fällen genügt ein DAkkS-akkreditiertes Kalibrierlabor, das seine Bezugsnormale auf die PTB oder ein gleichwertiges Normal zurückführt. Der direkte Weg zur PTB ist nur bei höchsten Genauigkeitsanforderungen nötig.

Wie lange ist ein Kalibrierschein gültig? Die Norm setzt kein Ablaufdatum. Die Gültigkeit ergibt sich aus dem Kalibrierintervall, das der Betreiber anhand von Nutzung, Drift und Anforderungen selbst festlegt und dokumentiert.

Was kostet eine Akkreditierung als Kalibrierlabor? Die Kosten hängen vom Umfang der Messgrößen ab und lassen sich nicht pauschal nennen. Hinzu kommen laufende Aufwendungen für Überwachungen, Vergleichsmessungen und die Pflege des Managementsystems.

Erkennt das Ausland deutsche Kalibrierscheine an? Kalibrierscheine akkreditierter Labore werden über internationale Anerkennungsvereinbarungen in vielen Ländern akzeptiert. Voraussetzung ist, dass die Messgröße vom Akkreditierungsumfang gedeckt ist.

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