Prüflabore
Teil von Bauteilprüfung Normen als Leitfaden für Prüfumfang und Probennahme
Welche Gebühren fallen bei der Bauteilprüfung an?
Bauteilprüfung Gebühren: Was Sichtprüfung, Maßprüfung und zerstörungsfreie Prüfung kosten, mit Nettosätzen, 19 Prozent MwSt. und Rechenbeispiel.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Prüflabore rechnen Sichtprüfung, Maßprüfung und zerstörungsfreie Prüfung überwiegend nach Prüferstunden ab.
- Marktübliche Nettosätze liegen zwischen 80 und 450 Euro je Stunde, je nach Verfahren.
- Auf jede Nettoposition kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer.
- Anfahrt, Rüstzeit, Probeentnahme und Prüfbericht stehen oft separat in der Rechnung.
- Pauschalpreise je Bauteil sind nur bei genau beschriebenem Prüfumfang belastbar.
Wovon die Gebührenhöhe abhängt
Labore kalkulieren nach Zeit, Verfahren und Haftungsrisiko. Eine Stunde Sichtprüfung mit Lampe und Lehre kostet deutlich weniger als eine Durchstrahlungsprüfung mit Röntgengerät und Strahlenschutz. Vier Größen treiben den Preis: Verfahren und Prüfmittel, Prüfumfang je Bauteil oder Los, Dokumentation samt Prüfbericht sowie Anfahrt, Rüstzeit und Wartezeit.
Die Verfahren selbst sind genormt. Welche Gremien die Prüfnormen für Werkstoffe und Bauteile erarbeiten, zeigt der Überblick über die DIN-Normenausschüsse. Die Preise verhandelt jedes Labor dagegen eigenständig, eine amtliche Gebührenordnung gibt es nicht.
Bei Produkten für den Markt kommen Pflichten aus dem Produktsicherheitsgesetz hinzu. Prüfungen sind dann keine freiwillige Leistung, sondern Voraussetzung für das Inverkehrbringen. Dienstleister wie TÜV Rheinland prüfen und zertifizieren Bauteile im Auftrag; die Dokumentation fällt bei marktpflichtigen Prüfungen umfangreicher aus.
Typische Gebühren für Sichtprüfung, Maßprüfung und zerstörungsfreie Prüfung
Die Tabelle nennt marktübliche Orientierungswerte in Euro netto je Prüferstunde sowie den Betrag mit 19 Prozent Mehrwertsteuer. Region, Auslastung und Bauteilgröße verschieben die Sätze nach oben oder unten.
| Prüfart | Netto je Stunde | Mit 19 Prozent MwSt. |
|---|---|---|
| Sichtprüfung (VT) | 80 bis 130 Euro | 95,20 bis 154,70 Euro |
| Maßprüfung am Koordinatenmessgerät | 130 bis 250 Euro | 154,70 bis 297,50 Euro |
| Eindringprüfung (PT) | 90 bis 160 Euro | 107,10 bis 190,40 Euro |
| Ultraschallprüfung (UT) | 140 bis 260 Euro | 166,60 bis 309,40 Euro |
| Durchstrahlungsprüfung (RT) | 200 bis 450 Euro | 238,00 bis 535,50 Euro |
Die Magnetpulverprüfung (MT) liegt bei 110 bis 190 Euro netto je Stunde, also 130,90 bis 226,10 Euro brutto. Zerstörende Prüfungen laufen an Proben und werden je Probe abgerechnet. Üblich sind 40 bis 90 Euro netto für eine Härteprüfung, 120 bis 300 Euro für einen Zugversuch und 150 bis 350 Euro für einen Kerbschlagbiegeversuch.
Ein Erstmusterprüfbericht kostet 250 bis 900 Euro netto, abhängig von Bauteilzahl und Merkmalsdichte. Bei Schweißverbindungen kommen oft die Merkblätter des DVS (Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren) ins Spiel; zusätzliche Prüfschritte erhöhen den Aufwand und damit die Gebühr. Betriebliche Prüfungen und Messungen folgen zudem den Vorschriften und Regeln der DGUV.
Rechenbeispiel: drei Bauteile, drei Verfahren
Ein Auftraggeber lässt drei identische Schweißbaugruppen prüfen. Das Angebot:
- Maßprüfung: 6 Stunden zu 150 Euro, also 900 Euro netto
- Sichtprüfung: 2 Stunden zu 110 Euro, also 220 Euro netto
- Eindringprüfung: 3 Stunden zu 130 Euro, also 390 Euro netto
- Prüfbericht als Pauschale: 180 Euro netto
- Anfahrt und Rüstzeit: 120 Euro netto
Summe netto: 1810 Euro. Mehrwertsteuer 19 Prozent: 343,90 Euro. Bruttobetrag: 2153,90 Euro. Fallen Bauteile durch und müssen nachgearbeitet werden, wiederholt sich der Prüflauf nahezu vollständig.
Wo sich Kosten senken lassen
Fünf Punkte gehören vor der Auftragserteilung ins Angebot, sonst wird es teuer:
- Prüfverfahren und Prüfumfang exakt benennen
- Losgröße und Stichprobenumfang festlegen
- Rüstzeit, Anfahrt und Bericht pauschal oder nach Aufwand ausweisen
- Probeentnahme und Wiederholungsprüfung regeln
- Termin für die Bereitstellung der Bauteile fixieren
Wer mehrere Lose bündelt, verhandelt niedrigere Stundensätze. Wer dagegen einzelne Bauteile kurzfristig einliefert, zahlt Rüstzeit und Mindestpauschalen mit. Ein Vergleich von zwei oder drei Laboren lohnt sich fast immer, weil die Stundensätze zwischen Anbietern erkennbar streuen.
Häufige Fragen
Was kostet eine Sichtprüfung als Pauschale?
Bei einfachen Bauteilen liegt die Pauschale meist zwischen 25 und 60 Euro netto je Stück. In der Serie sind 15 bis 30 Euro netto pro Bauteil realistisch. Der Prüfbericht wird separat berechnet.
Warum weichen Angebote für dasselbe Bauteil stark voneinander ab?
Stundensatz, Auslastung, Dokumentationstiefe und Akkreditierungsumfang unterscheiden sich. Ein Labor mit Akkreditierung der DAkkS nach DIN EN ISO/IEC 17025 kalkuliert Verwaltung und Prüfmittelüberwachung mit ein.
Wer trägt die Kosten einer Wiederholungsprüfung?
Grundsätzlich der Auftraggeber, denn die Prüfleistung entsteht erneut. Einige Rahmenverträge regeln, dass die erste Wiederholung im Pauschalpreis enthalten ist.
Rechnet das Labor nach Stunde oder nach Stück ab?
Seriennahe Teile werden meist nach Stück abgerechnet, Einzelteile und Sonderprüfungen nach Zeit. Eine Mischung ist üblich: Grundpauschale je Los, Prüfzeit nach Aufwand.
Welche Unterlagen senken den Preis?
Ein vollständiger Prüfplan mit Zeichnung, Toleranzen und Prüfmerkmalen. Fehlt er, kalkuliert das Labor Zuschläge für Rückfragen und Nacharbeit ein.