Prüflabore

Teil von Materialprüfung Verfahren im Vergleich für Metalle, Kunststoffe und Keramik

Materialprüfung Verfahren in 4 Schritten auswählen

Materialprüfung Verfahren auswählen: In vier Schritten von Anforderung und Normenvergleich über Probenvorbereitung bis Prüfbericht und Freigabe.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Prüfauftrag beschreibt Bauteil, Werkstoff, Belastung und Prüfmerkmal, bevor eine Norm gewählt wird.
  • Der Normenvergleich richtet sich nach dem Prüfmerkmal, nicht nach dem Bauteilnamen.
  • Probenentnahme, Kennzeichnung und Prüfmittel werden vor dem ersten Messwert festgelegt.
  • Der Prüfbericht hält Verfahren, Messwerte, Grenzwerte und Freigabe nachvollziehbar fest.

Schritt 1: Prüfauftrag und Anforderung klären

Am Anfang steht kein Verfahren, sondern die Frage, welche Eigenschaft ein Bauteil im Einsatz erfüllen muss. Die Konstruktion liefert Zeichnung, Werkstoff und Lastenheft, die Qualitätsprüfung leitet daraus das Prüfmerkmal ab. Typisch sind Zugfestigkeit, Streckgrenze, Härte, Kerbschlagarbeit oder Rissfreiheit an der Oberfläche.

Halten Sie im Prüfauftrag vier Angaben fest: Prüfmerkmal, Grenzwerte, Losgröße und Zeitpunkt der Prüfung. Fehlt eine dieser Angaben, entstehen später Rückfragen und doppelte Probenentnahmen. Zuständig ist eine benannte Person, nicht eine Abteilung. Ein Formular mit Pflichtfeldern verhindert, dass der Auftrag unvollständig ins Labor geht.

Schritt 2: Normen vergleichen und Verfahren auswählen

Suchen Sie eine Norm nicht nach dem Bauteil, sondern nach dem Prüfmerkmal. Für metallische Werkstoffe sind Zugversuch nach DIN EN ISO 6892-1, Härteprüfung nach Vickers nach DIN EN ISO 6507-1 und Kerbschlagbiegeversuch nach Charpy nach DIN EN ISO 148-1 die gängigen Verfahren. Für die Oberfläche ergänzt die Eindringprüfung nach DIN EN ISO 3452-1 die zerstörungsfreie Prüfung.

Wer die Normenlandschaft systematisch durchsucht, findet die zuständigen Gremien über den Normenausschuss Materialprüfung. Fragen zu Bauteilprüfung und Werkstofftechnologie bündelt der Normenausschuss Werkstofftechnologie. Prüfen Sie anschließend, ob die Norm Werkstoff, Halbzeugzustand und Temperaturbereich abdeckt.

Prüfmerkmal Verfahren Probenform
Zugfestigkeit Zugversuch Rund- oder Flachprobe
Härte Vickers, Brinell angeschliffene Fläche
Zähigkeit Kerbschlagbiegeversuch Kerbprobe
Oberflächenriss Eindringprüfung Bauteiloberfläche

Schritt 3: Probenvorbereitung und Prüfmittel planen

Nach der Normwahl legen Sie Entnahmestelle, Orientierung und Anzahl der Proben fest. Die Norm gibt Mindestmengen vor, der Prüfplan ergänzt Wiederholproben für Messfehler oder Bruch außerhalb des Auswertebereichs. Jede Probe erhält eine Kennzeichnung, die auf Charge, Schmelze und Entnahmeort zurückführt.

Prüfen Sie vor dem Start die Prüfmittel: Kalibrierstatus, Messbereich und Auflösung. Ein Probenbegleitschein begleitet jede Lieferung ins Labor. Zuständig sind Probennehmer im Werk und die Laborleitung für die Freigabe der Prüfmittel. Rüstzeiten planen Sie offen ein, sonst verschiebt ein Umrüsten der Maschine den gesamten Prüflauf.

Beispielrechnung: Prüfzeit für ein Los aus 40 Proben

Annahme: ein Zugversuch dauert 12 Minuten je Probe, das Rüsten der Maschine 30 Minuten. Für 40 Proben ergeben sich 480 Minuten Messzeit plus 30 Minuten Rüstzeit, also 510 Minuten, rund 8,5 Stunden Maschinenzeit. Rechnen Sie zehn Prozent Wiederholproben ein, kommen 4 Proben und 48 Minuten hinzu. Gesamt etwa 558 Minuten, also mehr als eine Schicht. Diese Beispielrechnung gilt nur für diese Annahmen.

Schritt 4: Ergebnisse dokumentieren und Freigabe regeln

Der Prüfbericht nennt Auftrag, Probe, Verfahren, Norm, Prüfgerät mit Kalibrierstatus, Messwerte, Grenzwerte und Bewertung. Abweichungen beschreiben Sie mit Istwert, Sollwert und Auswirkung auf das Los. Wer eine Prüfung nach DIN-Normen anwenden möchte, übernimmt die dort beschriebene Vorgehensweise in die Prüfanweisung.

Unterschreiben Sie den Bericht mit Prüfer und freigebender Person. Akkreditierte Laboratorien arbeiten nach DIN EN ISO/IEC 17025, viele Abnehmer verlangen diesen Nachweis. Legen Sie Fristen für Wiederholungsprüfungen und die Aufbewahrung der Proben schriftlich fest. Ein Bericht ohne Freigabevermerk bleibt ein Zwischenstand, keine Entscheidungsgrundlage.

Häufige Fragen

Wer legt im Prüfplan die Prüfmerkmale fest?

Die Qualitätsprüfung legt die Merkmale fest, die Konstruktion liefert Lastenheft und Grenzwerte. Beide bestätigen den Prüfplan vor dem ersten Auftrag.

Reicht eine Norm für alle Prüfmerkmale?

Nein. Jedes Merkmal hat ein eigenes Verfahren und eine eigene Norm. Ein Los kann deshalb mehrere Prüfberichte erfordern.

Wie viele Proben sind nötig?

Die Norm nennt Mindestmengen, der Prüfplan ergänzt Wiederholproben. Planen Sie rund zehn Prozent Reserve ein.

Was muss der Prüfbericht enthalten?

Auftrag, Probenkennzeichnung, Verfahren, Norm, Gerät, Messwerte, Grenzwerte, Bewertung und Freigabe mit Unterschrift.

Wann wird ein Verfahren neu bewertet?

Bei Wechsel von Werkstoff, Lieferant, Wärmebehandlung oder Normausgabe. Prüfen Sie die gültige Normausgabe jährlich.

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