Prüflabore
Teil von Materialprüfung Verfahren im Vergleich für Metalle, Kunststoffe und Keramik
Was kostet Materialprüfung nach Norm in Deutschland?
Materialprüfung Kosten: Beispielpreise für Zugversuch, Härteprüfung und Spektralanalyse in Euro netto, dazu Stundensätze, MwSt. und Kalkulationsbeispiel.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zugversuch nach DIN EN ISO 6892-1: 80 bis 250 Euro netto je Probe.
- Härteprüfung nach DIN EN ISO 6506-1, 6507-1 oder 6508-1: 25 bis 60 Euro netto je Messung.
- Spektralanalyse per Funkenspektrometrie: 60 bis 150 Euro netto je Probe.
- Laborstundensatz: 70 bis 140 Euro netto. Auf alle Preise kommen 19 Prozent MwSt.
Beispielpreise für Zugversuch, Härteprüfung und Spektralanalyse
Die folgenden Werte sind Richtpreise für Standardproben in deutschen Prüflaboren. Große Bauteile, Sonderlegierungen und Eilaufträge kosten deutlich mehr.
| Prüfverfahren | Norm | Richtpreis netto je Probe |
|---|---|---|
| Zugversuch, metallisch | DIN EN ISO 6892-1 | 80 bis 250 Euro |
| Härteprüfung Brinell | DIN EN ISO 6506-1 | 25 bis 45 Euro |
| Härteprüfung Vickers | DIN EN ISO 6507-1 | 30 bis 60 Euro |
| Härteprüfung Rockwell | DIN EN ISO 6508-1 | 25 bis 45 Euro |
| Spektralanalyse | Funkenspektrometrie | 60 bis 150 Euro |
Ein Zugversuch umfasst das Einspannen, die Prüfung und den Prüfbericht. Dreht das Labor die Probe selbst, steigt der Preis um 30 bis 60 Euro netto für die Probenvorbereitung.
Härteprüfungen rechnen Labore oft pauschal ab. Bei Reihenuntersuchungen sinkt der Preis je Messung, weil die Rüstzeit auf viele Prüfungen verteilt wird.
Die Spektralanalyse liefert die Legierungszusammensetzung in wenigen Minuten. Teuer wird sie durch die Probenvorbereitung, denn Gussoberflächen müssen geschliffen werden.
Stundensätze und Personalkosten als Preisbasis
Laborstundensätze liegen in Deutschland meist zwischen 70 und 140 Euro netto. Mechanische Prüflabore liegen am unteren Rand, akkreditierte Speziallabore mit klimatisierten Prüfräumen am oberen.
Die Personalkosten bilden den größten Block. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht dazu laufend Daten zu Verdiensten nach Branchen und Berufen. Für Laboranten und Prüfingenieure sind dort die Verdienste der technischen Dienstleistungsbranche maßgeblich.
Weitere Kostenpositionen sind Maschinenstunden, Kalibrierung der Prüfmaschinen und Dokumentation. Ein Zugversuch auf einer 250-kN-Maschine dauert wenige Minuten. Die Rüstzeit vor dem Versuch ist länger als der Versuch selbst.
Rechnen Sie den Stundensatz in den Stückpreis um. Bei 120 Euro netto je Stunde und einer Probe je Viertelstunde ergibt das 30 Euro netto an reiner Laborzeit. Der Rest des Preises entfällt auf Vorbereitung, Auswertung und Bericht.
Was den Preis über die Standardliste hebt
Vier Punkte erhöhen den Aufwand:
- Probenvorbereitung: Zuschnitt, Drehen, Schleifen.
- Akkreditierte Prüfung nach DIN EN ISO/IEC 17025 durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS).
- Kurzfristige Termine, Nachtarbeit und Wochenendarbeit.
- Prüfbericht mit Rückverfolgbarkeit und Angabe der Messunsicherheit.
Prüfverfahren werden stetig weiterentwickelt. Für metallische Werkstoffe ist der Normenausschuss Materialprüfung (NMP) beim DIN zuständig. Er pflegt die Normen, nach denen Labore am Ende abrechnen.
Beispielrechnung: 20 Zugproben aus einer Charge
Auftrag: 20 Zugproben aus einem Stahlblech, geliefert in prüffertiger Form, mit Prüfbericht.
- 20 Zugversuche zu je 120 Euro netto: 2.400 Euro
- Berichtspauschale 10 Prozent: 240 Euro
- Zwischensumme netto: 2.640 Euro
- MwSt. 19 Prozent: 501,60 Euro
- Endbetrag brutto: 3.141,60 Euro
Je Probe sind das 132 Euro netto. Wer nur 5 Proben prüfen lässt, zahlt pro Probe oft 40 Prozent mehr, weil Rüstzeit und Bericht konstant bleiben.
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Checkliste für die Ausschreibung:
- Prüfnorm mit Ausgabejahr im Angebot nennen lassen.
- Akkreditierungsumfang samt Anlage zur DAkkS-Urkunde prüfen.
- Probenvorbereitung, Entsorgung und Fracht getrennt ausweisen.
- Zuschläge für Eilaufträge und Nacharbeit schriftlich festhalten.
- Preis je Probe verlangen, nicht nur eine Pauschale.
Ob ein Preis im Markt üblich ist, lässt sich mit den amtlichen Statistiken zu Kosten und Strukturen im Verarbeitenden Gewerbe einordnen.
Häufige Fragen
Was kostet ein Zugversuch ohne Probenvorbereitung?
Rechnen Sie mit 80 bis 130 Euro netto je Probe. Muss das Labor die Probe drehen und schleifen, kommen 30 bis 60 Euro netto hinzu.
Warum fallen Angebote für dieselbe Prüfung unterschiedlich hoch aus?
Akkreditierungsumfang, Auslastung und Probenvorbereitung unterscheiden sich. Auch die Zahl der Proben je Auftrag wirkt stark auf den Stückpreis.
Ist eine Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 Pflicht?
Gesetzlich nicht generell. In regulierten Bereichen wie Druckgeräten, Bauprodukten und Bahntechnik verlangen Auftraggeber und Behörden sie aber regelmäßig.
Welche Norm gilt für Materialprüfung?
Eine einzelne Norm gibt es nicht. Zugversuche regelt DIN EN ISO 6892-1, Härteprüfungen regeln DIN EN ISO 6506-1, 6507-1 und 6508-1.
Kommen auf die genannten Preise noch Steuern?
Ja. Alle genannten Beträge sind Nettopreise. Auf sie werden 19 Prozent Umsatzsteuer aufgeschlagen.